Eine erlebnisreiche Keniareise mit vielen sehr emotionalen Eindrücken liegt hinter Karina und mir. In unserem Blog wollen wir unsere Erlebnisse jetzt mit euch teilen.

Tag 1: Aberdare Ranges Primary School – So They Can Organisation

So They Can (STC) ist eine gemeinnützige Organisation, die in Zusammenarbeit mit der Regierung und Gemeinden in Kenia durch Bildung den Armutskreislaufdurchbrechen will, um somit Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten.

Nach einer langen und anstrengenden Busfahrtüber mehr oder weniger gute Straßen sind wir an der Aberdare Ranges Primary School angekommen.

Die Schule wird von 1080 Schülern in den Klassen 1 bis 8 besucht, der Aufbau der Schule wurde zu 85% aus Mitteln durch So They Can finanziert, die restlichen 15% aus Regierungsgelder. Auch ein Drittel der Lehrer werden durch STC bezahlt.
Die Schule gehört zu den besten der ganzen Region und 100% der Schüler gehen danach auf eine weiterführende Schule. Den Jahrgangsbesten wird ein Stipendium die höchste weiterführende Schule gestiftet.

Die meisten Schüler kommen schon morgen um 06.30 Uhr zu Schule, wo Sie in Frühstück erhalten, auch ein Mittagessen wird bereitgestellt. Diese Verpflegung wird zu 10% von den Eltern gezahlt und zu 90% von STC finanziert.

Eines der größten Probleme, das Kenia alle 4-5 Jahre heimsucht, sind Unruhen zwischen rivalisierenden Stämmen im Wahljahr. Jedes Mal werden hunderttausende Menschen vertrieben, ermordet und deren Hab und  Gut verbrannt. Wir haben eines der ehemaligen Flüchtlingscamps besucht.

Canaan Village

In dieser Gemeinde leben 966 Familien, die bei Wahlunruhen in 2007 aus ihren Heimatdörfern vertrieben wurden. Als Entschädigung zahlte die Regierung jeder Familie umgerechnet ca. 100 Euro, um wieder zurückzukehren und dort ein neues Haus zu bauen.

Diese Familien haben sich stattdessen jedoch dazu entschieden zu bleiben und haben ihr Geld zusammengelegt, um sich mehrere Hektar Land zusammen zu kaufen. Als Unterkunft wurden ihnen Zelte von der UN zur Verfügung gestellt.

In dieser Situation trafen die Gründer von STC auf diese Gemeinde und fragten, was sie am dringendsten benötigen. Die Gemeinde hat sich für eine Schule entschieden, damit ihre Kinder Zugang zu Schulbildung erhalten. Somit wurde die Aberdare Ranges Schule gegründet.

Im Camp ist eine kleine Klinik zur medizinischen Grundversorgung eingerichtet worden. Um der hohen Arbeitslosigkeit entgegen zu wirken werden Mikrokredite vor allem an Frauen vergeben, damit sich diese kleine Geschäfte aufbauen können. Zudem werden die Frauen in betriebswirtschaftlichen Grundkenntnissen geschult. Bisher haben sind bereits 380 dieser Mikrokredite erfolgreich vergeben worden.

Um besonders junge Mütter zu unterstützen wurde das Projekt Sew Women Can ins Leben gerufen. Den Frauen wird dort das Nähen beigebracht. Genäht werden Schuluniformen für die Aberdare Schule, sowie Decken, Taschen etc. zum Verkauf an Touristen und den Online-Vertrieb über Australien.

Da viele Kinder durch Vertreibung und auch  AIDS zu Waisen werden wurden Waisenunterkünfte ähnlich der SOS Kinderdörfer durch STC ins Leben gerufen. In dem von uns besuchten „Waisendorf“ kümmert sich eine von STC angestellte „Mutter“ um jeweils acht Kinder. Im Dorf wird zur eigenen Verpflegung Landwirtschaft und Viehzucht betrieben. 

Tag 2: Slum Schools. Rhonda Slum Nakuru City Schule

An Tag 2 sind wir direkt in den größten Slum von Nakuru City gefahren, um dort auch eine Primary Schule zu besuchen. Die Organisation So They Can arbeitet erst seit einigen Monaten mit dieser Schule zusammen und dieser Unterschied war auf den ersten Blick sichtbar. Sehr heruntergekommene Schulgebäude und da auch mitten in den Slums gelegen, konnten wir den Kindern die Armut ansehen: schlechte Zähne, gelbliche Augen und teilweise verschlissene Schuluniformen.

Die Schule wird von 1200 Schülern besucht, die von insgesamt nur 24 Lehrern betreut wurden. Wir wurden freudig mit Tänzen und Gesängen begrüßt. Die meisten Eltern der Kinder in den Slums sind arbeitslos, viele alleinerziehend auch nicht wenige sind HIV-positiv.

Wir waren die ersten Weißen, die die Kinder jemals aus der Nähe gesehen hatten. So hatte jeder von uns gleich 20 bis 30 Kinder um sich geschart, die unsere Hand halten, unsere Haut anfassen und unsere Haare berühren wollten. Sie und wir waren einfach glücklich, uns zu begegnen.

Dann mussten wir weiter zur nächsten Schule. Diese liegt in der Näher der städtischen Mülldeponie und wird von 800 Schülern besucht. Eine besondere Klasse der Schule ist für blinde Kinder eingerichtet, die von weit herkommen und daher auch auf dem Schulgelände wohnen. Von der Unterkunft waren wir doch sehr schockiert.

Nur ca. 10% der Eltern können sich das Schulessen leisten und damit werden 90% der Schüler nicht verpflegt. Die meisten suchen sich ihr Essen nach der Schule auf den Müllhalden, was uns sehr nahe gegangen ist. Vor einigen Jahren kamen die meisten Schüler an bestimmten Wochenetagen, an denen die großen Hotels ihren Müll zu den Deponien bringen, erst gar nicht in die Schule. Die neue Direktorin konnte diesem zum Glück entgegenwirken.

Besonderen Wert legt die Schule darauf, Hygiene zu lehren, um den Ausbruch von Krankheiten wie Cholera einzudämmen. Alle von uns waren sehr mitgenommen und bedrückt von den Eindrücken, die wir an diesen beiden Schulen gewonnen hatten. Positiv bleiben uns die Fröhlichkeit der Kinder und das Engagement der Lehrer in Erinnerung. 

B1G1 Kenia Reise Tag 3

An Tag 3 brachen wir auf, um 2 Tage im Dorf Odede zu verbringen. Als erstes haben wir das "The Mama Ann’s Odede Helath Centre“ besucht. Diese ist für 20.000 im Umkreis von 11km lebenden Menschen der Anlaufpunkt zur medizinischen Versorgung.

Die Klinik wurde 2011 gegründet. Allein schon durch die kostenlose Ausgabe von Moskitonetzen konnte die Verbreitung von Malaria reduziert werden. Besonders Risiko besteht für schwangere Frauen und kleine Kinder. Ein großes Problem ist, wie in weiten Teilen von Afrika, die Verbreitung von AIDS. Alle Patienten werden bei Aufnahme auf HIV getestet. Der Test wird im eigenen Kliniklabor in nur 15 Minuten ausgewertet. Sollte er positiv ausfallen, wird der Patient ausführlich beraten und mit Medikamenten versorgt, so dass ein relativ normales Leben weiterhin möglich ist.

Die HIV-Früherkennung ist besonders bei Schwangeren sehr wichtig, denn durch rechtzeitige Behandlung und besondere Vorsicht während der Geburt, ist es sehr wahrscheinlich, dass das Neugeborene HIV-negativ auf die Welt kommen kann.

In der Klinik gibt es eine kleine Entbindungsstation, so dass die Frauen nicht mehr zuhause entbinden müssen. Die Sterblichkeitsrate der Mütter währen der Geburt ist seitdem auf 0 gesunken. Durch Impfungen von Neugeborenen und kleinen Kindern könnte die Kindersterblichkeit um 90% reduziert werden.

An manchen Tagen kommen bis zu 200 Patienten zur Visite. Auch eine stationäre Aufnahme und Patientenversorgung ist möglich. Sogar ein Krankenwagen mit Fahrer ist vor Ort. Wir waren sehr beeindruckt von dem exzellenten Aufbau und Organisation in der Klinik.

Am Mittag sind wir dann zu unserer Unterkunft in einem Haus im Dorf gelaufen. Nachmittags haben wir noch ein durch Mikrokredite finanziertes Projekt von 19 Frauen aus dem Dorf besucht. Sie haben sich ein Stück Ackerland gepachtet und bauen dort jetzt Gemüse für den Verkauf an. Als nächstes planen diese Frauen den Bau eines großen Gewächshauses. 

B1G1 Kenia Reise Tag 4

Nach einer schönen, ruhigen Nacht im Dorf Odede stand uns ein arbeitsreicher Tag bevor. Wir haben einer jungen Familie ein „Mudhouse“ (Haus aus Lehm) finanziert und dabei alle tatkräftig mit angepackt.

Diese junge Familie stammt ursprünglich aus Odede und war vor einigen Jahren auf der Suche nach Arbeit in die Nähe von Nairobi gezogen. Von dort wurden Sie bei den letzten Wahlunruhen gewalttätig vertrieben und ihr Hab und Gut verbrannt.

Wir haben zusammen mit einigen einheimischen Arbeitern die Wände mit Lehm gefüllt. Nun muss der Lehm nur noch trocken und einige Tage später kann der Außenputz angebracht werden.

B1G1 Kenia Reise Tag 5

An Tag 5 haben wir, wieder einmal nach einer langen Busfahrt, das Mango Tree Project besucht. Mango Tree ist eine gemeinnützige Organisation, die vor allem Waisen, gefährdete Kinder und ihre Gemeinden unterstützt.

Seit 2007 wurde bereits 4700 Kinder über die verschiedenen Programme geholfen und ihnen eine Schulbildung ermöglicht. Das erklärte Ziel ist es, die Waisenkinder in den Gemeinden zu belassen und dort für sie zu sorgen. Wenn diese Kinder nach der Schule eine Arbeit finden, geben Sie an Mango Tree zurück. Jeder Schüler der später eine Universität besuchen möchte, kann Unterstützung erhalten, verpflichtet sich aber vorher ein „freiwilliges soziales Jahr“ in der Gemeinde zu absolvieren.

Familien, die Waisenkinder aufnehmen und großziehen, erhalten Unterstützung, um diese zu ernähren. Als erstes haben wir uns eine sogenannte Test- und Demofarm besucht. Diese dient eben zu testzwecken für die Landwirtschaft aber auch zur Generierung von Einkommen.

Verschiedenste Projekte werden dort getestet:

  • Fischteiche: ein weit verbreitetes Problem ist der Austausch von Fisch gegen sexuelle Dienstleistungen. Durch künstliche Fischteiche können Frauen die Fische dort erwerben und sind nicht mehr von den Fischermännern abhängig. Zudem kann der beim Ausheben der Teiche anfallende Sand verkauft werden.
  • Obstanbau: Einheimische Mangos, die sehr klein sind und an hohen Bäumen wachsen, wurden dort mit exotischen Mangos (größere Früchte, niedrigere Bäume) veredelt, so dass eine ertragreichere Sorte, die leichter zu pflücken ist, entstand. Mit dem Samen nur einer dieser Mangos, kann ein Bauer eine Vielzahl von Bäumen pflanzen
  • An der Veredelung von weiteren Obst- und Gemüsesorten wird gearbeitet
  • Imkerei: Bienen werden gezüchtet, sowie Honig erzeugt und verkauft.

Als nächstes ging es in ein Dorf, um das Ziegen-Projekt zu begutachten. Der Besitz einer Ziege ist für eine Familie ein großer Beitrag zur eigenen Versorgung und Einkommensgenerierung. Eine Ziege versorgt die Familie mit Milch und überschüssige Milch und der Ziegennachwuchs können verkauft werden. Wenn eine Familie über Mango Tree eine Ziege erhält, muss sie den ersten Nachwuchs zurückgeben, der dann an eine andere Familie gegeben wird. Schlummersack hat allein im Januar 40 Ziegen für Familien gestiftet.

Danach haben wir das Haus einer Witwe besucht, die 9 Waisenkinder aufgenommen hat und diese großzieht. Ihre eigenen beiden erwachseneren Kinder gehen mittlerweile mit Unterstützung  von Mango Tree auf die Universität in Nairobi.